Hintergrund

Arbeit ist für Menschen ein wesentlicher psychosozialer Stabilisierungsfaktor. Sie regelt die Tagesstruktur, schafft Zugehörigkeit und Kontakt und beeinflusst damit das soziale Umfeld maßgeblich. In Zeiten anhaltender strukturell bedingter Massenarbeitslosigkeit steigt die Zahl derjenigen Menschen, die nur mit Unterstützung eine die Existenz sichernde Beschäftigung finden können. Dies ist kein neues Phänomen.

Bereits seit Mitte der siebziger Jahre steigt die Produktivität schneller als die Wirtschaftsleistung, ohne dass die Arbeitszeit deutlich verkürzt wurde. Die Folge: Massenarbeitslosigkeit, die derzeit rund 4,5 Millionen Menschen (Arbeitslose plus TeilnehmerInnen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen) betrifft. Parallel ist der Anteil der „normalen“ Vollzeitbeschäftigten seit 1985 um 15% gesunken, derjenige der in Teilzeit beschäftigten Menschen hat sich von 10 auf 20% verdoppelt, der Anteil prekärer und nicht existenzsichernder Beschäftigungsverhältnisse steigt stetig. Etwa 15% der Bevölkerung sind als „unterprivilegierte Verlierergruppe“ zunehmend von „respektablen Standards sozialer Teilhabe“ (Vester 2006) ausgeschlossen.

Heute wird in mehr als 30% aller Berufe eine oft anspruchsvolle Fachausbildung verlangt. Zudem werden ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Kooperations- und Koordinationsfähigkeit als persönliche Kompetenzen vorausgesetzt. Die PISA-Studie ergab jedoch, dass ca. 22 % der 15-jährigen (davon die Hälfte Zuwandererkinder) in Deutschland nicht richtig lesen können. Es braucht also nicht viel Phantasie, um zu erkennen, dass es für Menschen, die derart sozial und in Bezug auf Bildung benachteiligt sind, in der Regel ohne besondere Förderung keine, nicht einmal eine mehrfach gebrochene Erwerbsbiographie geben kann.