Europäischer Sozialfonds

Wir sind zertifiziert nach der Zulassungs-
verordnung Weiterbildung (AZWV).




Benachteiligte in innovativer Ausbildung

Ein Projekt des Europäischen Sozialfonds        
 

                                                                        
www.esf-hamburg.de                                   


                                                      

Prioritätsachse B: Verbesserung des Humankapitals

Aktion B2: Förderung der Ausbildung von Jugendlichen und in Betrieben,

Instrument 5: Ausbildungsangebote für unversorgte Bewerber in ausgewählten, trägergestützten Berufsausbildungen (betrieblich begleitet)


Seit 2008 bieten wir im Rahmen des ESF-Projektes BIA (Benachteiligte in innovativer Ausbildung) 18 Ausbildungsplätze in den Bereichen Koch/Köchin, Restaurantfachkraft und Maler/in und Lackierer/in an.


Die Auszubildenden

Die Gruppe unserer ESF-Auszubildenden setzt sich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit besonderem Förderbedarf zusammen, die häufig sozial und im Bezug auf Bildung benachteiligt sind. Vielfach kommen die jungen Menschen zudem aus besonders belasteten Stadtteilen.

Trotz meist vorhandener schulischer Voraussetzungen für eine Ausbildung, sind sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt an persönlichen und/oder strukturellen Bedingungen bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz gescheitert.

Außerbetriebliche Ausbildungsprogramme, wie das ESF-Projekt BIA, stellen dann häufig die einzige Möglichkeit dar, dass ausbildungsreife, ‑geeignete und ‑motivierte Jugendliche und junge Erwachsene einen Beruf erlernen können. Zudem werden so unnötige Ausbildungsplatz-Warteschleifen, die ohne Ausbildungsprogramme entstünden und einen anschließenden Übergang in Ausbildung eher verhindern, als dass sie ihn unterstützen, vermieden. Eine abgeschlossene Ausbildung ist langfristig einfach der beste Schutz vor Erwerbslosigkeit.

Im Einzelnen handelt es sich bei den Auszubildenden des BIA

  • um sozial benachteiligte Jugendliche, die entweder einen soliden Hauptschulabschluss oder einen mäßigen Realschulabschluss erreicht hatten und nach erfolgloser Suche nach einem Ausbildungsplatz nur noch wenig oder gar keine Hoffnung hatten, von Ausbildungsbetrieben akzeptiert zu werden und/oder
  • um junge Menschen mit Migrationshintergrund und vergleichbaren schulischen Voraussetzungen, denen die Aufnahme einer betrieblichen Ausbildung (mehrfach) nicht gelungen war.
  • Ein Schwerpunkt der Alraune ist die Arbeit mit (jungen) Müttern. In der Regel allein für die Erziehung der Kinder verantwortlich, hatten sie wegen früher Schwangerschaft vielfach keine Chancen, direkt nach der Schule in ein Ausbildungsverhältnis zu wechseln. Reift dann doch der Wunsch für den eigenen Bildungsweg etwas zu tun, stellen Kindbetreuung und „Lern-Ungewohntheit“ Hindernisse dar, die mit entsprechender Unterstützung jedoch überwunden werden können. Bei Alraune arbeiten die Betriebe der Gastronomieabteilung bis auf einen alle ausschließlich mit Frauen und sind daher für diese Mütter ein sehr geeigneter Ort, um mit der Ausbildung zu beginnen.
  • Ein großer Teil der genannten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist bisher durch jedes „Raster“ an Fördermaßnahmen gefallen, konnte jedoch nachweislich ohne Unterstützung keinen angemessenen Ausbildungsplatz finden.


Ziele

Ziel der Alraune ist es den Zugang zum Arbeitsmarkt für Menschen mit besonderen Integrationshemmnissen zu verbessern, Ausbildungsabbrüche zu verhindern und die Zahl der Ausbildungsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Wir eröffnen jungen Menschen die Türen zum Arbeitsmarkt zunächst in unseren eigenen Betriebe, in denen wir ein arbeitsmarktnahes Angebot von geförderten Ausbildungsplätzen haben. Mit unseren Multiprofessionellen Teams aus Anleiter/innen,(Sozial)Pädagog/innen und Lehrer/innn können wir gezielt auf die individuellen Bedarfe und Probleme der Auszubildenden eingehen. Wir stützen dort wo nötig, motivieren, trösten und beraten – was immer gerade anfällt. Ziel ist also berufliche Handlungskompetenz zu vermitteln und die Persönlichkeit der Auszubildenden zu stabilisieren sowie zu fördern und den Weg in den Arbeitmarkt so zu begleiten. Zudem - wie Sie auf unserer Homepage sehen konnten - liegen unsere Betriebe zumeist in Wohnvierteln, wo wir (durch die Verknüpfung verschiedener arbeitsmarktpolitischen Instrumente) eine sozialpolitisch dringliche, aber am Markt nicht zahlungsfähige Nachfrage seitens benachteiligter Bevölkerungsgruppen befriedigen, wie es beispielsweise im Café in Steilshoop der Fall ist. So kommt das ESF-Projekt BIA natürlich den jungen Menschen zugute, für die es konzipiert ist. Quasi nebenbei hat es aber auch einen großen Nutzen beispielsweise für Steilshoop!

Viele der jungen Menschen, die eine Ausbildung bei uns beginnen blicken häufig bereits auf gescheiterte Lebensentwürfe zurück und ein Ausbildungsabbruch wäre ein erneuter Rückfall verbunden mit dem Aufleben von Versagensängsten. Dem gilt es natürlich vorzubeugen! Hier zeigt das gesamte Ausbildungsteam ein hohes Maß an Engagement, Aufmerksamkeit, Sensibilität, Kooperationsfähigkeit und Professionalität sowohl in der Zusammenarbeit mit den Berufsschullehrer/innen als auch vor allem mit den betroffenen Auszubildenden. In direktem Kontakt werden dann je individuelle Voraussetzungen geschaffen, die benötigte Unterstützung sicher zu stellen.

Für die Vermittlung in ungeförderte Ausbildungsverhältnisse fungieren wir als eine Art Brücke von der außerbetrieblichen Ausbildung bei uns in den regulären Arbeitsmarkt. Wir akquirieren seit Jahren erfolgreich in großem Umfang Praktikumsplätze und Anschlussarbeitsplätze für Maßnahmeteilnehmer/innen und Auszubildende. Daher haben sich stabile Partnerschaften und Kooperationen mit den Betrieben entwickelt, wovon die Auszubildenden profitieren. Das Netzwerk stetig weiter ausbauend arbeiten unsere Vermittler/innen kontinuierlich an der Akquise neuer Firmen und es gelingt uns häufig durch den direkten Kontakt bestehende Sorgen und Vorurteile bei Betrieben abzubauen, damit diese ihre Ausbildungsberechtigung nutzen. Zudem kann ein Praktikum letzte Zweifel und Kontaktängste ausräumen.

Die Möglichkeit der Firmen eine enge Begleitung und Beratung während der betrieblichen Ausbildungsphase seitens Alraune zu erhaltenden zu können, ermutigt viele Betriebe ebenso mit dem Ausbilden anzufangen.

Bei Bedarf unterstützen wir bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss. Auch für eine anschließende Vermittlung in ungeförderte Beschäftigung, die, wo immer möglich, existenzsichernd sein und von Transferleistungen unabhängig machen soll, können die frischgebackenen Ausbildungsabsolvent/innen bei Alraune auf unsere Erfahrung und Kontakte zurückgreifen.


Ausbildungsablauf

Über unsere Homepage, Zeitungsannoncen oder Mund-zu-Mund Propaganda informierte Alraune über freie Ausbildungsplätze, woraufhin sich Interessierte bewerben konnten.

Das war die Anzeige:


  

                    


Nach Durchsicht der Bewerbungsunterlagen führen wir neben einem detaillierten Erstgespräch zu Eignung und Motivation, auch einen Test zu schulischen und kognitiven Fähigkeiten mit den Bewerber/innen durch. Hintergrund ist hier die Erfahrung, dass das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines Haupt- oder sogar Realschulabschlusses häufig wenig aussagekräftig ist: Oftmals liegt diese Qualifikation schon mehrere Jahre zurück oder aber der Schulabschluss wurde nicht wegen mangelnder Leistungsfähigkeit der Bewerber/innen versäumt, sondern aufgrund persönlicher Umstände in einer schwierigen Lebenssituation. An diesen theoretischen Part schließt sich eine Arbeitserprobung von jeweils mindestens einer Woche an.

Mit den auserwählten jungen Erwachsenen schließen wir dann einen Ausbildungsvertrag ab, und die Ausbildung kann in einem unserer Betriebe beginnen. Die Auszubildenden gehen, wie alle anderen auch, zur Berufsschule und bei Bedarf bieten wir Förderunterricht an, den unsere Lehrerin individuell gestaltet. Die jeweiligen Ausbildungsinhalte richten sich nach dem regulären Ausbildungsrahmenplan.

Nach der Hälfte der Ausbildung wechseln die Auszubildenden nach Möglichkeitin einen Ausbildungsbetrieb auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und schließen dort ihre Ausbildung ab.

Während der gesamten Ausbildungszeit bieten wir Unterstützung bei Schwierigkeiten in der Berufsschule, im persönlichen Bereich sowie im Betrieb an.


Auf dem Weg

Anja, eine angehende Restaurantfachfrau, absolviert den zweiten Teil ihrer Ausbildung erfolgreich in der Turnhalle St. Georg.

Anja wurde am 1. September 1990 in Hamburg geboren. Ihr Vater ist Kolumbianer und lebt seit 30 Jahren in Deutschland, ihre Mutter ist deutscher Herkunft. Beide sind berufstätig, er arbeitet als Informatiker und sie ist Postbotin. Anjas 2 Jahre jüngere Schwester besucht derzeit die 11. Klasse und will Abitur machen.

Zu hause sprach ihr Vater mit ihnen Spanisch und ihre Mutter deutsch. Der Wechsel zwischen den Sprachen sei ihr nicht schwer gefallen. Väterlicherseits hat Anja Familie in Kolumbien, die sie in ihren Ferien dort vor 2 Jahren das letzte Mal gesehen hat.

Danach gefragt, wie sie ihre Kindheit erinnert, sagt sie „verspielt“ und denkt gerne an die Zeit im Kindergarten zurück. Die Schulzeit sei bis einschließlich der 6. Klasse gut verlaufen, dann sei die Schule mit der Pubertät „unwichtig“ geworden. Nach der Grundschule besuchte Anja zunächst ein Gymnasium, und machte dann letztendlich auf einer Gesamtschule 2007 ihren Realschulabschluss. Ein dreiwöchiges Praktikum hatte Anja während der Schulzeit in einem Hotel machen können. Ihre Lieblingsfächer waren Sprachen – sie lernte Englisch, Spanisch und Französisch – was auch der Grund war, dass sie im Anschluss an die Schule auf die Fremdsprachenschule ging, die sie jedoch nach einem halben Jahr abbrach. Zu der Zeit kam in ihr der Wunsch auf, Restaurantfachfrau zu werden. Die Ausbildungsplatzsuche begann, entpuppte sich jedoch als schwer. Anja erhielt vier Absagen bis sie schließlich auf die Anzeige von Alraune stieß und sich bewarb.

Am 1.September 2008 begann sie ihre Ausbildung zur Restaurantfachfrau!

Gut gefallen hat Anja bei Alraune der Umgang der Auszubildenden und Anleiter untereinander, die Chef-Azubi-Beziehung und die festen Arbeitszeiten. An der Zeit ihrer Ausbildung, die sie im Café Planschbecken im Stadtpark gearbeitet hat, mochte sie weniger, dass sie an den Wochenenden arbeiten musste. „Am Wochenende frei zu haben sei halt doch besser, obwohl das als Restaurantfachfrau natürlich eher selten vorkomme...“ Verändert habe sich durch die Ausbildung bei Alraune auf jeden Fall ihre Zielstrebigkeit und Motivation. Während sie vorher eher faul gewesen sei, habe sie inzwischen Spaß am Arbeiten und Lernen.

Der Übergang von der überbetrieblichen Ausbildung bei Alraune in die betriebliche beim Restaurant „Die Turnhalle“ in St. Georg Hamburg habe gut geklappt.Zum einen arbeiteten dort bereits 2 ehemalige Auszubildende von Alraune, die sie kannte, und zum anderen wurde sie auch sonst vom gesamten Team überaus freundlich aufgenommen. Nach einer kurzen und intensiven Einarbeitungs- und Eingewöhnungsphase hat Anja in der Turnhalle gut Fußfassen können und wird ihre Ausbildung voraussichtlich im Sommer 2011 beenden.


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